Andalusien

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Andalusien

 von jogl66
Dienstag, 2. Oktober 2007

Andalusien – zwischen Orient und Okzident

Für Andalusien, das von vielen als „Brücke zwischen den Kontinenten“, „Tor nach Europa“, „Schmelztiegel der Kulturen“ oder „Treffpunkt zwischen den Meeren“ bezeichnet wird, trifft jede einzelne dieser Definitionen zu.
Als Grenze zwischen Europa und Afrika, dem Atlantischen Ozean und dem Mittelmeer, wurde es durch die Jahrhunderte von zahlreichen Kulturen begehrt, und sogar schon zu Ur-Zeiten war es das bevorzugte Siedlungsgebiet unserer prähistorischen Vorfahren.
Andalusien ist das Land der Kontraste. Die Verschiedenheit der vorhandenen Landschaften reicht von den warmen Tälern des Guadalquivir, über die laubreichen Mittelgebirge, die Vulkanlandschaften, wie die Wüste von Tabernas, bis hin zu den weißen, schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada. Begleiten Sie mich auf meiner Reise an die wunderschöne Costa de la Luz. Wie der Name Costa de la Luz schon aussagt „Küste des Lichts“, präsentiert sich der äußerste Südwesten Spaniens mit über dreitausend Sonnenstunden pro Jahr als einer der wärmsten und schönsten Flecken Europas.
Ich nutzte die ersten Tage zum Relaxen in einem der vielen schönen Hotels in Novo Santci Petri, dem wohl schönsten Strandabschnitt der ganzen Region. Von meiner „Basisstation“ aus erkundete ich dann in Tagesausflügen die nähere Umgebung. Den Anfang machte ich mit Jerez de la Frontera – Stadt der Feste, Hauptstadt des Sherrys und Heimatstadt der leidenschaftlichsten Pferdeliebhaber Spaniens. Der Terminkalender des ganzen Jahres ist angefüllt mit Veranstaltungen, bei denen sich fast alles um die rassigen Vierbeiner dreht. Vor den Toren der Stadt liegt das Gestüt Yeguada de la Cartuja, auf dem seit über 500 Jahren die reinrassigen Cartujanos gezüchtet werden. Dies sind fast ausschließlich Schimmel, die zur edelsten Rasse Andalusiens und damit der Welt gehören. Besuchen sollte man auf jeden Fall auch die Königliche Hofreitschule, Zentrum der Hohen Schule für die weißen andalusischen Pferde. Man kann dort täglich beim Dressur-Training der Pferde zusehen.
Die Tradition – und wirtschaftliche Bedeutung – der größten Stadt im Hinterland der Costa de la Luz ruht auch auf einer zweiten, sehr stabilen Säule: auf der geschmackvollen Einmaligkeit eines Getränkes, dem die Engländer den Begriff Sherry verliehen. In Ableitung des Namens von Jerez de la Frontera, das während der Besatzungszeit der Römer in den ersten fünf Jahrhunderten unserer Zeitrechnung Ceret hieß, später- mit der Machtübernahme durch die Spanier Mitte des 13. Jahrhunderts – zunächst in Xeri (x im Spanischen wie sch gesprochen), dann in Xerez und schließlich in Jerez umgewandelt wurde.
Noch älter als die Historie der Sherry-Metropole mit rund 180 000 Einwohnern ist die Geschichte des Weinanbaus in dieser Region. Denn schon tausend Jahre v. Chr. kam die Rebe mit den Phöniziern , den Gründern der Provinzhauptstadt Cadiz, an die Atlantikküste im äußersten Süden Europas. Später kultiviert von den Römern, begünstigt vom milden Klima mit leichten Regenfällen im Herbst und Frühling sowie mehr als 180 Sonnentagen im Sommer. Außerdem verdankt der weltberühmte Sherry seine Qualität dem Albariza. Jener weiße kalkhaltige Boden, der den Reben die trockene Hitze im südlichen Andalusien zu ertragen hilft. Die entscheidende Rolle für die hohen Ansprüche der Genießer in aller Welt freilich spielt die Kunst der Sherry-Produzenten, deren Schriftzüge jeden Besucher von Jerez de la Frontera begleiten – von der Peripherie bis zu den Mauern der Altstadt.
„Wir kennen die Kunst durch die Zeit zu reisen“ lautet der Erkennungsslogan von Gonzalez Byass, dessen Bodega ich besichtigte. Dabei wird man in dieser fortschrittlichen Stadt ins 19. Jahrhundert zurückversetzt und kann das Werk von Manuel Maria Gonzalez aus der Nähe kennen lernen. Per Zug und unter fachkundiger Erklärung eines Kellermeisters erkundete ich das einzigartig architektonische Meisterwerk an Bodega-Konstruktion, genauso wie es Manuel Maria Gonzalez im Jahre 1887 nach seinem Tod hinterlassen hat. Im Anschluss an die Besichtigung kann man noch an einer Weinprobe teilnehmen, was man natürlich nicht versäumen sollte. Den Nachmittag verbrachte ich dann bei herrlichem Sonnenschein mit Bummeln in der wunderschönen Altstadt.
Nach Rückankunft in der späten Nacht – ich legte noch auf dem Rückweg einen kurzen Stopp in Cadiz ein – bereitete ich mich in den nächsten Tagen auf meine Tour in „die Weißen Dörfer Andalusiens“ vor.
Das spanische Dichter-Genie Garcia Lorca nannte sie „die weiße Mauer Spaniens“ – die Dörfer Andalusiens, die wie weiße Würfel auf den Berghängen westlich von Jerez schon aus der Ferne winken. Sie sind Schatzkästchen des Südens und Zeugen einer Zeit, zu der Christen und Mauren in Dauerfehden um die Herrschaft über Spanien kämpften.
Schon die Fahrt von Novo Santci Petri über Vejer nach Medina Sidonia öffnet den Blick für einen Teil Andalusiens, der den meisten Besuchern bislang verschlossen blieb. Vorbei an riesigen Rinderherden auf scheinbar endlosen Weiden, sanfte Hügel – und am Horizont, wie Zuckerguss auf einer Torte, die Stadt, die den Namen einer der mächtigsten Adelsfamilien im äußersten Süden Spaniens trägt: Medina Sidonia.
Meinen nächsten Stopp legte ich in Arcos de la Frontera ein, dem Eingangstor zur Route der Weißen Dörfer. 1962 erhielt die Altstadt die Auszeichnung „Historisch-Künstlerische Gesamtheit“. Sie ist von natürlicher Schönheit, sehenswerter Bedeutung und archäologischem Reichtum. Ich stärkte mich in einer typischen Tapas-Bar, deren Auswahl an Gerichten nicht zu übertreffen war: ob Boquerones fritos (frittierte Sardellen), Gambas al ajillo (Garnelen mit Knoblauch) oder auch Pinchitos morunos (marinierte Fleischstückchen in 1000 Variationen), sie füllen alle das Loch zwischen dem Frühstück und Abendessen.
Fasziniert von der Schönheit der Natur machte ich mich weiter auf den Weg in Richtung Ronda, dem eigentlichen Juwel der Weißen Dörfer. Auf zwei Felsplateaus hoch über dem Tal thront Ronda, geteilt durch den Tajo, einem 160 Meter tiefen Einschnitt. Verbunden sind La Ciudad (von den Arabern gegründete Altstadt) und El Mercadillo durch eine 98 Meter hohe Brücke. Ein eindrucksvolles Bauwerk, das sich – von 1784 bis 1793 entstanden – als doppelte Attraktion erweist: Einmal als schwindelerregende Konstruktion, als Beweis wagemutiger Architektur, zum anderen als Aussichtspunkt für einen unvergesslichen Blick auf die knapp 800 Meter über dem Meer gelegene Hochebene im Südwesten der Provinz Malaga, auf die blauen Gipfel des Sankt Christoph Gebirges und die Bergkette von Grazamela an der Grenze zur Provinz Cadiz. Natürlich findet man heute noch viele Zeugen einer bewegten Geschichte der Stadt: Zeichnungen aus der Steinzeit, römische Ausgrabungen und arabische Bäder; Kirchen der Katholischen Könige von Spanien, Wappen der Habsburger; Palastschmuck aus den früheren Kolonien in Übersee, Reste eines maurischen Kastells, das während der napoleonischen Invasion niedergebrannt wurde.
Empfehlen würde ich Ihnen einen Aufenthalt von mehreren Tagen in Ronda, was mir leider nicht möglich war.
Gegen Abend erreichte ich dann mein Tagesziel Alcaidesa. Dort verbrachte ich dann eine Nacht im Aldiana Alcaidesa , von wo aus ich mich am nächsten Morgen mit dem Fahrrad entlang des Meeres in Richtung Gibraltar auf den Weg machte.
Schon von weitem erkennt man die Schönheit der natürlichen Lage von Gibraltar. Man bezeichnet Gibraltar auch als Miniableger des Britischen Empires im Süden Spaniens und es ist immer für Überraschungen gut. Auf keinen Fall sollte man seinen Personalausweis vergessen, da einem sonst die Einreise über die Grenze nicht gestattet wird. Direkt hinter der Grenze liegt der internationale Flughafen von Gibraltar, dessen Rollbahn auch als Autostraße benutzt wird. Nur bei Starts und Landungen wird die Startbahn von der Polizei abgesperrt.
Neben Tax-Free-Shopping und den Affen, die wohl bekannteste Attraktion des Felsens, der sich 423 Meter über das Mittelmeer erhebt, locken auch andere Sehenswürdigkeiten: Die Tropfsteinhöhle des Heiligen Michael, die botanischen Gärten, der Amtssitz des Gouverneurs von Gibraltar mit täglichen Wachablösungen, das Museum mit den arabischen Bädern aus dem 14. Jahrhundert und ebenso das alte maurische Kastell.
Gegen Nachmittag machte ich mich wieder auf den Weg zum Club Aldiana und genoss den Rest des Tages in der Wellness-Oase des Clubs. Am nächsten Tag legte ich auf dem Weg Richtung Novo Sancti Petri noch einen Stopp in Tarifa ein. Hier befindet sich das beliebteste Revier für Profisurfer. Die konstant starken Winde schaffen hervorragende Bedingungen für das Kitesurfen, bei dem der Surfer von einem Drachen meterhoch in die Luft gehoben wird (sehenswert). Neben den oben aufgeführten Ausflügen hat diese Region noch viele weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten, z.B. Cadiz, Coroba, Granada oder auch die weltberühmte Alhambra. Entdecken Sie Andalusien entweder per Tagesausflüge mit dem eigenen Auto oder nutzen Sie die vielen Angebote einer kompletten Rundreise.

 
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Tipps:
Machen Sie es wie die Andalusier und gehen Sie gegen elf Uhr vormittags zum ersten Mal in eine Tapabar. Eine gutsortierte Bar ist ein wahres Schlaraffenland. Ob Käse, Schinken, Oliver, Garnelen, Krabben, Hühnchen, Tortilla oder auch Stierschwanz, es ist immer alles fein säuberlich vor Ihnen aufgereiht. Sie müssen nur auswählen. Und wenn Ihnen gerade der richtige Ausdruck nicht einfällt – macht nichts. Zeigen Sie einfach mit dem Finger drauf, das versteht man überall.
Jochen Glod
Letzte Änderung: 02.10.2007 16:36:44
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