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Freitag, 28.09. 2007 

Frankfurt International Airport. Das Personal hat den offiziellen Tag der Freundlichkeit. Egal ob Zöllner, Sicherheitsdurchleuchter oder fette Frau auf Elektrokarre – alle sind genervt. Wie gut, dass Deutschland erst mal eine Weile ohne uns auskommen darf.  

Die Maschine der Singapore Airlines hat zum Glück nur eine halbe Stunde Verspätung, müde Reisende tröpfeln heraus, und schnell wird der Flieger fit gemacht für die Weiterreise, neu befüllt mit Koffern, Dreiklassen-Menüs sowie den legendären Stewardessen. Drin ist es nicht ganz sooo komfortabel wie erwartet aber genügend Platz für zunächst 12 Stunden Flug. Es gibt freie Getränke, leckeres Rinderfilet und einen persönlichen TV-Bildschirm, der über 70 Programme bietet. Wir holen das Kinoprogramm des letzten Vierteljahres nach.
Der Flug geht über Russland, Kasachs-, Afghanis- und Pakistan, dann Indien und schließlich viel Wasser.


Sonnabend, 29.09. 2007

Kurz nach Sonnenaufgang landen wir in Singapur, von der Stadt ist nichts zu sehen und vom Flughafen auch nicht. Unser Anschluss geht gleich vom Nachbar-Gate, die Zeit bis dahin vertreiben wir uns an einem Massage-Wellness-Stand, es gibt Tee und wir werden in Sessel gepackt, die die Massage übernehmen. Personaleinsparung auch hier, aber trotzdem ganz gut, besonders an den Beinen. Der Duty-Free-Bereich besticht durch tolle Auswahl, Orchideen-Garten und ein Becken mit Koi-Karpfen.

Endlich Hanoi, von oben sieht man große Flüsse und natürlich Reisfelder. Der Flughafen ist modern und die Einreise geht schnell. Wir werden erwartet und Richtung Innenstadt verfrachtet. Die Fahrt geht über große Brücken. Der Strom aus Mopeds wird immer dichter. Junge Frauen streben in großen Gruppen einer Werkhalle zu, Globalisierung in Aktion und Schichtwechsel bei Canon.

Das Camellia-Hotel hat 2 bis 3 Sterne und liegt mitten in der Altstadt, die Zimmer sind groß, sauber und okay. Für 20 Dollar pro Nacht sogar sehr okay.

Der Straßenlärm ist natürlich gigantisch, vor allem die beständig hupenden Mopeds rollen unaufhörlich und lückenlos vorbei. An Wochentagen wird er verstärkt durch Straßenlautsprecher, die Nachrichten und volkstümliche Weisen plärren. Die Häuser sind schmal, nur 3 bis 4 Meter breit, dafür 4 oder 5 Stockwerke hoch, nicht unähnlich den Grachtenhäusern in Amsterdam oder den Stadthäusern in London. Die Fassade ist oft bunt bemalt, eine schmale Treppe führt nach oben, wenn die Häuser  gelegentlich einzeln stehen, sind sie besonders schön anzusehen.

Nach einer Pause starten wir einen ersten Rundgang durchs alte Zentrum. Alles um uns rum ist exotisch: Läden, kleine Tempel, die Masse an Rad- und Mopedfahrern. Seafood wird verkauft. In Alkohol eingelegte Schlangen. Das Überqueren von Straßen ist ein Abenteuer – entweder man läuft neben einem Vietnamesen her oder man geht langsam und für die anderen berechenbar los. Auf keinen Fall anhalten oder ausweichen wollen. So dauert es nicht lange bis wir uns verlaufen haben. Ein zusätzliches Problem ist, dass es vom Camellia-Hotel anscheinend vier Stück gibt. Wir gelangen ins Zentrum der Stadt zu einem großen See, in dessen Mitte ein Tempel steht, die über eine rote Holzbrücke zu erreichen ist. Beide sind gut besucht am Samstagabend. Am See liegt auch das legendäre Wasserpuppen-Theater, dass immer allen Touristen empfohlen wird. Da wir in Rajastan schlechte Erfahrungen mit Marionettentheater gemacht haben, gehen weiter durch die Straße der roten Lampions (jedes Handwerk hat seine eigene Straße) und suchen lieber etwas zum Abendessen. Die Straßen sind voller kleiner Restaurants und Garküchen, oft wird direkt auf dem Gehweg gekocht, gegessen wird auf kleinen, gesessen auf noch kleineren Plastikhockern. Es sollte noch 3 Tage dauern, bis wir uns da herunter trauten. Bis dahin essen wir in den etwas touristengemäßeren Variante, drinnen, mit Tischen, AC und einem Sortiment wie in europäischen Chinaimbissen.

Sonntag, 20.09.07

Die Nacht war schwül, den Sonntag starten wir zeitig, schon gegen 9 Uhr  besteigen wir drei Cyclos, Fahrrad-Rikschas, die uns durch die Stadt Richtung Ho Chi Minh Mausoleum bringen. Das ist dem Leningrab in Moskau nicht unähnlich - hier werden eben nicht nur T-Shirts nachgemacht und DVD kopiert. Eigentlich wollen wir nur durch den Park spazieren, aber Gitter versperren den Weg und Ordner sortieren uns beständig in die Warteschlange ein, die schnell rückt. Also bleiben wir da stehen, geben Taschen, Kameras und Handy ab, lassen uns durchleuchten und schreiten schließlich an Onkel Ho vorbei, wie er da liegt im dunklen Glassarkophag, nur das Gesicht hell erleuchtet, wie ein chinesischer Meister und Weiser. Und etwas von der Ergriffenheit seiner Landsleute färbt auf uns und sogar auf die wartenden Amerikaner ab. Auf der anderen Seite gibt es Handy und Kamera wieder. Es folgt noch ein kleiner Park, wo das Elternhaus von Onkel Ho usw. im Garten des frz. Gouverneurs errichtet wurde. Dort drängeln sich jede Menge Besucher vom Land und bestaunen zum Beispiel das Telefon, mit dem der Krieg entschieden wurde.

Weiter geht es zum Tempel der Literatur, der seit gut 1000 Jahren als Schule dient und mitten in der Stadt eine großartige Ruhe ausstrahlt. Stadtbesichtigung mit Cyclos oder einfach nur die Teilnahme am Straßenverkehr sind ein Erlebnis. Es bleibt auch Zeit, die vielen Bonsai-Bäume, die vor fast jedem Hauseingang stehen, zu bewundern.

Am Nachmittag laufen wir dann noch mal los – durch die Blechstraße, Taschenstraße, T-Shirt-Straße, Todesstraße. Dort gibt es zum Beispiel diverse Opfergaben aus Papier (Spielgeld, Blumen, kleine Autos oder Häuser), die bei Bedarf verbrannt werden.

Abends gönnen wir uns eine Massage in einem der dazu vorgesehenen Studios, das ist nach dem Tag in der Stadt erholsam und angenehm, wenn auch nicht immer hochprofessionell. In der Nebenstraße findet ein Nachtmarkt statt – d.h. die Straße wird komplett mit Verkaufsständen zugebaut. 


Montag, 01.10.2007

Am Montagmorgen werden wir abgeholt, es geht per Minibus Richtung Meer, eine Dreistundenfahrt, zur berühmten Halong-Bucht. Einst fiel dort ein Drache ins Meer und mit seinem Schwanz hat er 1000 kleine Inseln aus dem Boden gestampft, vielleicht sind es auch nur Kalk- und Tropfstein und natürliche Erosion, aber schon einzigartig. Ca. hundert Dschunken liegen im Hafen, mit Segeln und zusätzlich motorisiert und mit erstaunlich komfortablen Kabinen ausgestattet, warten sie auf uns. Wir gehen an Bord und schell heißt es dann Leinen los zu Fahrt in See und durch die bizarre Inselwelt. Mit uns reisen noch 10 weitere Touristen, Deutsche, Iren, Australier und Amerikaner, jeder auf seine Art possierlich, wie wir beim ersten Essen schnell feststellen. Wir werden ordentlich mit Langusten, Krabben und Fisch traktiert, während der Reiseleiter versucht, uns für Affen, Adler, Elefanten und Liebespaare zu interessieren, die seiner Meinung nach von den Felsen geformt werden.
Später gehen wir an Land und besuchen eine Tropfsteinhöhle, auch da wieder Affen, Adler, Elefanten.., dann dürfen wir baden und Kajak fahren. Alle Versuche, noch Tintenfische vom Heck des Bootes zu angeln, schlagen fehl. Von einer ambulanten Getränkeverkäuferin, die mit ihrem Boot längsseits geht, erwerben wir noch ein Feierabendbier. Schnell sinkt die Nacht über den Golf von Tonking. 


Dienstag, 02.10.2007

Gegen 7 aufstehen und Frühstück. An Bord eines kleinen Bambusboots steuern wir auf eine wie ein versunkener Vulkan wirkende Insel zu, außen Fels, innen ein See, nur eine niedrige Durchfahrt hat die steigende Flut freigelassen, wir legen uns flach auf den Boden des Bootes, ein Ruder bricht am Felsen, aber wir sind durch. Zurück an Bord des Mutterschiffs macht sich unter der Mannschaft Erleichterung breit, denn jetzt geht es wieder Richtung Hafen, den wir auch gegen Mittag erreichen. Es ist anscheinend ein Sturm im Anzug, so dass alle weiteren Fahrten mit Dschunken in den nächsten Tagen entfallen werden.

Per Minibus zurück nach Hanoi, nur unterbrochen von einem Stopp an einem großen Asialaden, der auch Behinderten-Werkstatt ist und Schnitzereien, alles aus Seide, kleine und große Skulpturen und Kaligraphien führt. Das ist lieb gemeint und gar nicht aufdringlich wie vielleicht im Orient oder in Afrika. Größere Einkäufe kann man auch per Schiff schicken lassen. Nach Gera kostet es 141 Dollar. Einige Kunden sind mit ihren Artikeln fotografiert, beschriftet und an einer Wandzeitung aufgehängt worden. So sehen also Würzburger aus, die jetzt einen Zentner Buddha im Vorgarten stehen haben.

In Hanoi beziehen wir wieder unser Hotel und machen am Nachmittag noch mal eine einstündige Cyclo-Tour durch die Altstadt. Die endet am Bach-Ma-Tempel, der Pagode des Weißen Pferdes. Schon wieder hungrig stürzen wir uns in eine der vielen Essgässchen, nehmen auf den Stühlchen platz und zeigen auf den Teller des Nebenmannes: der hat Pho-Nudelsuppe, die uns auch schmeckt. An der nächsten Ecke bekommen wir heiße Platte mit Kocher (nuong) serviert, dazu rohes Gemüse und ordentlich mit dem Karatemesser bearbeitetes Fleisch. Der Sohn des Hauses assistiert, und wir lassen uns alles schmecken. Eine Ecke weiter duften gegrillte Sate-Spieße, 2 gehen noch rein, lecker serviert im Baguettebrötchen, das man hier wohl den Franzosen verdankt, natürlich ganz frisch.


Mittwoch, 03.10.2007

Am nächsten Morgen ist kurz nach vier Wecken und ab geht es zum Flughafen, die nächste Etappe ist DaDaDa Nang, die Straßen des frühmorgendlichen Hanoi füllen sich langsam mit Schattenboxern und Gemüsebauern, die durch den Regen eilen. Am Flughafen checken wir schnell ein und starten mit Vietnam Airlines im gepflegten Airbus Richtung Süden. Nach einer Stunde Flugzeit kommt die traurige Durchsage: Taifun in Hoi An, Da Nang, keine Landung möglich. Wir fliegen zurück. Bei der Landung bedankt man sich, dass wir für unseren Flug Vietnam-Airlines ausgewählt haben. So als ob nichts passiert wäre. Später erfahren wir, dass auch gestern schon kein Flug nach Mittelvietnam durchgekommen ist. D.h. zumindest die Abflüge werden planmäßig durchgezogen. Da braucht es dann schon mal eine Portion der sprichwörtlichen asiatischen Gelassenheit.

Wieder am Ausgangspunkt bekommen wir unsere Tickets und das Gepäck zurück und buchen für den nächsten Tag nach Nha Trang, unserer übernächsten Etappe. Wie auch anderswo üblich, drängen sich alle am Schalter, es kommt zu Tumulten und die besten und schlimmsten Eigenschaften der Menschen kommen zum Vorschein: Backpacker am Rande des Nervenzusammenbruchs, hektische Business-Vietnamesen und kleine Asiatinnen, die einfach unter unseren Achseln durch, an den Counter schlüpfen. Unvergessen eine Amerikanerin, die eine Garantie verlangt, dass ihr Flug am folgenden Tag geht. Ein richtiger Spaßvogel.
Schließlich sind unsere Tickets umgebucht und Vietnam Airlines spendiert einen Transfer zurück in die Stadt, wir checken wieder in dem Hotel ein, das wir vor 5 Stunden verlassen haben, Hanoi hat uns wieder.

Den Zusatztag nutzen wir zu einer Exkursion in den Nordwesten, dort soll es einen Wochenmarkt mit einem großen Angebot an Hundefleisch geben. Es geht ja auch schon auf Mittag zu. Als wir ankommen, ist Hund bereits aus, und wir bestellen in einem der umliegenden Restaurants mit Händen und Füßen lokale Gerichte. Schmeckt einigermaßen.

Auf dem Rückweg per Mopedtaxi durch den strömenden Regen, in Hanoi macht sich der Taifun nur als Dauerregen bemerkbar, entdecken wir das Armeemuseum, von außen leicht zu erkennen an einem Panzer, diversen französischen Beutegeschützen und einem großen Haufen amerikanischen Flugzeugschrotts. Natürlich bildeten die Kriege gegen Frankreich und die USA den Schwerpunkt des Museums, deren museumspädagogische Aufbereitung für unsereinen vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ist: mit dieser selbstgebauten MPi tötete die Genossin Wan 3 Aggressoren; mit diesem Krug vergifteten Reisweins setzte Genossen Nguyen 8 aktive Kämpfer außer Gefecht; das Dorf XY spendete diesen Speer mit dem zwei Kollaborateure getötet wurden. Sehr schön auch die Abteilung mit der vergoldeten Kalaschnikow aus Bulgarien und der selbstgeschriebene Solidaritätswimpel von Arbeitern aus Berlin-Marzahn. Voller Fehler übrigens.
In einem großen Diarama wird die Schlacht von Dien Bien Phu nachgestellt. Da leuchten viele rote Lämpchen auf den Bergen. Die Frage nach den Opfern oder dem Sinn des Krieges wird nicht gestellt. Man konzentriert sich nur auf das Ergebnis. Und das ist vielleicht besser so – sonst hält man es nicht aus.

Abends aßen wir zur Abwechslung mal in einem indisch-pakistanischen Restaurant. Sehr gut. Im Fernseher gab es erst Bollywood-Melodien zu sehen, aber dann wollte uns der Wirt noch mit der neusten Folge von „Indien sucht den Superstar“, ein kompletter Klon unseres Programms, bis hin zu den Charakteren und ihren Besonderheiten, vertraut machen. Das ist wie extra scharfe Sauce.

Drotta geht noch mal zur Massage. Black Pearl und Baron Blixen kaufen Getränke. Es kostet ja alles nicht viel, aber da 1000 Dong die kleinste Einheit sind, verliert man bei einer Rechnung von Zehntausenden schon mal den Überblick. Wir rechnen und finden, dass die Getränke plötzlich teurer sind als die Minibar im Hotel. Das war gestern in dem Laden noch anders. Also tauschen wir bei der verblüfften Verkäuferin die Flaschen wieder um. So geht es nun auch wieder nicht.


Donnerstag, 04.10.2007

Natürlich sind wir enttäuscht, dass es mit Hoi An nicht klappt. Soll ja eine schöne Stadt sein, wo man auch tolle Klamotten schneidern lassen kann. Bis 02.00 Uhr regnet es noch in Hanoi.

Der Flug am nächsten Morgen klappte reibungslos. In Nha Trang ist strahlender Sonnenschein. Wir nehmen ein Taxi zum Hai Yen Hotel. Das liegt an der Promenade und ist ein staatliches. Unsere Reservierung ist vergessen worden. Aber das stört nicht weiter – der Taxifahrer empfiehlt das Sea-View-Hotel. Das liegt viel zentraler und ist mit 15 pro Zimmer bei besserer Ausstattung deutlich billiger. 

In den umliegenden Querstraßen gibt es einen Schneider, viele Shops, Bars und Restaurants. Vor denen lungern Schlepper mit ihren Menüs. Oder sie kommen über die Straße, um das Angebot des Restaurants vorzustellen.

Black Pearl und ich sprechen bei der Schneiderin, Madame Ho-Yen zwecks Anzügen, Blusen und Hosen vor. Danach macht jeder das, was ihm gefällt: Drotta ist am Strand – Black Pearl und Baron Blixen bei Massage und Gesichtsbehandlungen.

Drotta mietet für 45.000 Dong (ca. 8 Euro) pro Tag ein Moped. Damit machen wir am Nachmittag einen Ausflug zum Tempel des Weißen Buddha. Ich sitze bei Drotta auf dem Moped, und für Black Pearl haben wir noch einen Fahrer angeheuert. Im Tempel umlagert uns eine Horde Schulmädchen, die sich als Gegenleistung für’s Rumführen den Verkauf von Ansichtskarten versprechen. Im Tempel erwerbe ich eine Familienpackung Räucherstäbchen, die wir dem Weißen Buddha opfern.
Nach dem Tempel fahren wir in ein Bad mit heißen Quellen und Schlamm. Der Reiseführer aus dem Hause „Einsamer Planet“ ist nicht sehr hilfreich, da er sich hauptsächlich mit dem Sparen in dem ohnehin schon sehr günstigen Land befasst und das Bad einfach mal vergessen hat. Das Bad ist eine im russischen Stil gehaltene Erholungs-Sanatoriums-Anlage. Weißbekittelte Aufsichtspersonen organisieren den Ablauf – etwas anders als die westliche Das-haben-wir-uns-verdient-Wellness-Einstellung. Wir sitzen eine Weile in schlammgefüllten Bottichen herum. Außerdem gibt es noch mehrere Schwimmbecken mit heißem Wasser. 

Abends schauen wir bei der Schneiderin zur ersten Anprobe vorbei und  gehen Seafood essen. Naja, die Suppe ist das beste. Nun schlägt auch die große Stunde der ambulanten Verkäufer. In Kisten wird das Angebot an Büchern, Zigaretten und Sonnenbrillen auf Mopeds herumgefahren oder in Wäschekörben herbeigeschleppt. Die Bücher umfassen das den gesamten Vietnambedarf eines Touristen. Leider sind auch sie nur gefälscht, d.h. kopierte Seiten zusammengebunden.


Freitag, 05.10.2007

Frühstück gibt es nebenan im „Cafe de Paris“: Pancakes und eine große Auswahl an Saft. Hier werden wir auch mit dem speziellen vietnamesischen Eiscafe znächst vertraut und später abhängig gemacht. 

Der Vormittag vergeht mit Besuchen bei der Schneiderin, Wellness und Shoppen. Nach dem Mittag fahren Drotta und Baron Blixen auf dem Moped etwa 20 Kilometer vor die Stadt. Dort gibt eine Ausflugsinsel mit halbwilden Affen. Es gibt auf der Insel auch noch so eine Art Zirkus, den aber wohl nur noch Dorfbewohner gut finden würden. Wegen der Affen ist alles mit Maschendraht geschützt. Wir kaufen eine Tüte mit Affenfutter (Mais). Das merken die Biester sofort und umlagern mich. Ich schmeiße die Tüte in eine Richtung und renne in die andere. Später werden wir mutiger. Drotta füttert einen Affen aus einer neuen Tüte. Der springt ihn an, kratzt  und klaut sich die Tüte.

Abends: Massagen für Drotta, Gesichtsbehandlung für Black Pearl und Fußmassage für Baron Blixen. Essengehen wir im Red-Star-Restaurant direkt neben dem Hotel. Die bieten auch Kochkurse an. Wir essen „Heißen Ton-Topf“ und „Spring Frog“. Das ist so eine Art Carpaccio vom Frosch.


Sonnabend, 06.10.2007
 
Nach dem Frühstück fahren wir mit der Schneiderin zum Markt, um Jade zu kaufen. Da die Qualität und Echtheit schwer bestimmbar sind – habe das am Abend vorher im Internetcafe recherchiert – sind wir auf vertrauenswürdige Personen angewiesen. Sonst haben wir noch weniger Gefühl für die Preise. Auf dem Markt gibt es auch jede Menge Früchte, Fisch, Klamotten und Touristenzeug. 

Nachmittags unternehmen Drotta und ich noch mal einen Ausflug zum Cham-Tempel in der Stadt. Das sind die letzten Zeugnisse dieser Khmer-artigen Kultur in der Gegend. Wir kriegen auch einen Führer mit, der uns alles erklärt. Den müssen wir allerdings wegen unserer Nationalität anlügen, weil wir nicht schon wieder über Fußball reden wollen. 

Das Moped tanken wir am Straßenrand auf. Vietnamesen bieten Benzin in 2-Liter-Flaschen an. Danach Schwimmen im Bad der heißen Quellen.

Abendessen ist diesmal Nuong-BBQ auf der Straße: Beefsteakplatte mit Gemüse für 15.000 Dong, also ca. 1 Euro pro Person. Danach 2. Anprobe und Shopping. Es sind wenig Touristen da, somit sind Schlepper, Taxi- und Cyclofahrer in der Überzahl. Die Bars sind auch leer. Wir trinken Saigon Bier – grün und rot.


Sonntag, 07.10.2007

Die Klamotten bei der Schneiderin sind noch nicht ganz fertig. Eine tolle Gelegenheit, sich die Zeit mit Massagen zu vertreiben. Drotta versucht mal die Vier-Hände-Massage. Da kann sich jetzt jeder selbst überlegen, wie das wohl geht.

Für drei Anzüge und drei Blusen bezahlen wir fünfeinhalb Millionen Dong. Das sind etwa 350 Euro.
Nachmittags schauen wir ein drittes Mal im Warmwasser-Bad vorbei. Mit dem Moped vor der Tür ist das alles kein Problem.
Abendessen gehen wir diesmal in ein staatliches Restaurant am Strand. Das extrem junge Personal ist sehr bemüht und professionell. Wir essen wiedermal Seafood – einen 2,5kg Lobster, Austern, Haifischsuppe – dazu gibt es viel Saft und Bier. Es ist mit 10 Euro pro Person das mit Abstand teuerste Essen in Vietnam. Der Lobster wird auf einem Grill an der Straße zubereitet. Sieht sehr gut aus. Nebenan gibt es noch einen Laden der „Antikes“ verkauft. Dazu gehören zum Beispiel amerikanische Erkennungsmarken, chinesische Münzen und ein verrostetes japanisches Samurai-Schwert – wie es die Offiziere im 2. Weltkrieg trugen - wahrscheinlich alles echt gefälscht.


Montag, 08.10.2007

Für die Weiterreise ins Hochland und nach Saigon hatten wir uns eine kleine Rundreise von Shinbalo-Tours zusammenstellen lassen. Die waren vom Reiseführer empfohlen und wie sich noch herausstellen sollte, sehr bemüht und zuverlässig.
Um 08.00 Uhr holte uns Mr. Nam, unser Reisebegleiter,  Südvietnamese, Ex-Leutnant mit einem bequemen Kleinbus und Fahrer ab. Er war ein lustiger älterer Herr, der auch recht passabel Englisch sprach. Wir fuhren in Richtung Lak-See, in der Provinz Daklak in Zentralvietnam. Unterwegs kamen wir durch kleinere Dörfer, an Reisfeldern und einer Ziegelfabrik vorbei. Es gibt da nicht mehr so viel zu sehen, da auch der ganze Wald, in dem Mr. Nam früher noch Charlie gejagt hatte, mittlerweile Plantagen und Feldern gewichen ist. Nur noch auf den Bergspitzen ist Wald vorhanden. Wir hatten immerhin was zu schauen – die Mädels kamen gerade in ihren traditionellen weißen Kleidern aus der Schule. 

Gegen Mittag erreichten wir bereits unser Ziel, ein kleines Dorf am See. Dort lebt noch irgendeine ethnische Minderheit aus Bergbewohnern (es gibt mehrere Völker – den Namen habe ich vergessen), die sich mit Tourismus etwas dazu verdient. Geschlafen werden sollte in einem Langhaus auf Stelzen – war nur für uns – mit Matratzen und Moskitonetzen. Im Prinzip bestand das ganze Dorf aus dieser Art von Häusern. Unten drunter rannten die Hühner und vietnamesischen Hängebauchschweine vorbei. Toiletten und Dusche waren in einem kleinen Häuschen untergebracht. Immerhin waren es Toiletten im europäischen Stil. Am Seeufer fand gerade eine ethnische Säuberung statt – die einheimischen Kinder schwammen im Wasser und wurden abgeseift.
Wir ließen uns mit einem Einbaum über den See rudern und liefen durch Reisfelder und ein weiteres Dorf. Man muss das Landleben schon mögen, denn die Wasserbüffel kamen gerade durch’s Dorf, Schweine suhlten sich und Hunde poppten. Immerhin konnten wir schon die ersten Elefanten sehen und das grün der malerischen Reisfelder im Sonnenuntergang bewundern. 

Gegen 18.00 Uhr fing es kräftig an zu regnen. Da störte nicht weiter, denn wir saßen am Dorfladen unterm Dach und bekamen riesige Mengen Rind, Frühlingsrollen, Fisch und Gemüse aufgetischt. Zu trinken gab es Bier, Reisschnaps und Wodka. Den teilten wir uns mit Mr. Nam und der Familie. Im Fernsehen gab es gerade das Fußballspiel Emirate gegen Vietnam zu sehen. Wir hielten bis zur Halbzeit durch – Charlie konnte sich nicht mit seiner Tet-Offensive durchsetzen.


Dienstag, 09.10.07

Der Regen hatte aufgehört. Nach unserer eigenen ethnischen Säuberung und dem Frühstück trafen die Elefanten für unseren Ausritt ein. Wir motivierten die beiden Elefanten mit Zuckerrohr für die kommende Aufgabe. Black Pearl und ich kletterten auf den Bullen, und für Drotta blieb die Elefantenkuh. Man sitzt da recht bequem auf einer Art Bank und stellt die Füße auf den Rücken des Tieres. Es ging direkt rein in den See. Die Tiere laufen da ja mehr oder weniger durch und kommen dann an einer flachen Stelle wieder ans Ufer. Von da ging es in einer weiten Biegung zurück ins Dorf. Wir waren froh etwas Sonnenschutz dabei zu haben, weil nach einer Stunde auf dem Elefanten wird es heiß. Unterwegs versuchten die Elefanten sich an den Reisfeldern zu bedienen bzw. trocknete auf der Straße der Reis. Unser Bulle wischte einmal mit dem Rüssel kräftig durch die Körner.

Wir verließen das Dorf und fuhren zum Yok Don Nationalpark. Unterwegs quatschen wir ausführlich mit Mr. Nam über Buddha, den Krieg und das Leben. Er lud uns ein, Durian bzw. Stinkfrucht zu testen. Eine wirklich eklige Angelegenheit. Der Gemüsehändler kam herbei, um seine Körpergröße mit unserer zu vergleichen. Hobbit.
Der Nationalpark ist wohl ein letztes bisschen Dschungel an der Grenze zu Kambodscha. Das Guesthouse und die Anlagen sind ziemlich heruntergekommen. Es kommen wohl nicht viele Touristen dahin. Eine Gruppe von Bauarbeitern war allerdings gerade dabei, irgendwas zu reparieren. Auch hier waren wir wieder dem Reiseführer vom „Einsamen Planeten“ aufgesessen, der diesen Ort ausdrücklich wegen seiner Elefanten empfohlen hatte. 
Mir ging es so einigermaßen – der Wodka der letzten Nacht und die Stinkfrucht in meinem Magen kämpften einen letzten epischen Kampf. Wir setzten über den Fluss, wo auf der anderen Seite schon zwei Elefanten mit Sitzbank auf uns warteten. Auf denen ritten wir für etwa zwei Stunden durch den Dschungel. Die Elefanten blieben immer mal wieder stehen, um sich von einem Busch einen Happen abzureißen. Das war ein sehr malerischer Ausflug, denn außer den Dschungelgeräuschen war sonst nichts zu hören. Unterdessen hatte die Stinkfrucht in meinem Magen gegen den Wodka gewonnen. Ich merkte wie meine Hände zu zittern anfingen und mir kalter Schweiß ausbrach. Den Fotoapparat reichte ich gerade noch an Black Pearl weiter, bevor ich vom Elefanten kotzte. Immerhin beugte ich mich soweit über, dass der Elefant nicht befleckt wurde. Der Ausritt war sowieso gerade beendet. Ich legte mich ins Bett, musste allerdings gelegentlich aufstehen bis ich die Stinkfrucht komplett los war. Drotta und Black Pearl fuhren mit Mr. Nam ins Dorf zum Essen. Es war sehr einfach bzw. kaum genießbar. Immerhin brachten sie mir eine Flasche Grünen-Eistee-mit-Honig mit, den ich mir dann die Nacht über einflößte.


Mittwoch, 10.10.07

Baron Blixen geht es besser. So ein Eistee ist wie eine Infusion. Die Parkanlage ist immer noch nicht schöner. Wir frühstücken mit den Bauarbeitern und treten die Fahrt nach Buon Me Thuot an. Das sind etwa anderthalb Stunden. Unterwegs stoppen wir am Gia-Wasserfall und lassen Mr. Nam von seinem Leben und seiner Zeit im Umerziehungslager erzählen. No Rice – very hard und gelegentlich ein roher Frosch.
In Buon Me Thuot checken im Damsan-Hotel ein. Die sind sehr nett und haben tolle Zimmer mit  Kabelfernsehen. Wir machen noch eine kleine Stadtrundfahrt, statten dem Ethnik-Museum noch einen Besuch ab und schauen bei Mr. Nam’s Militärbasis vorbei. Auf dem ehemaligen Hubschrauberlandeplatz entstehen gerade neue Wohnhäuser.
Vor dem Essen gehen wir im benachbarten Eden-Hotel zur Massage. Die Stunde kostet 5 US, und der Name des Hotels ist Programm. Im Anschluss an die Massage besteht bei den Damen wohl Poppmöglichkeit. Das fällt aber aus – wir haben ja auch schon Abendessen bestellt. Es gibt Shrimps, Beef, Suppe und Sehnen vom Reh. Bei der Vorbestellung wusste Drotta nicht, was „Tendon“ ist, hielt aber „Deer“ für eine schmackhafte Idee. Sieht aus wie irgendwelches durchsichtiges Gemüse und schmeckt nicht besonders – Mr. Nam und der Fahrer freuen sich und übernehmen unseren Anteil.


Donnerstag. 11.10.07

Sieben Stunden Fahrt nach Saigon vorbei an Kaffeeplantagen ohne Wald. An den Ho-Chi-Minh-Pfad erinnert noch eine Tafel. Sonst alles weg. Ich versuche Mr. Nam für den Aufbau einer Kaffeeplantage zu gewinnen – quasi ein Joint-Venture mit ausländischem Kapital. In Saigon bezahlen wir unsere Exkursion bei Shinbalo-Travels, denen ich an dieser Stelle versprochen habe, sie zu empfehlen! Wir steigen im Hotel Ha Hien ab. Dort kostet das Doppel-Deluxe-Zimmer 40 US. Die nicht so luxuriösen Zimmer haben keine Fenster. Eine Straßenecke weiter ist der Central-Markt. Dort gibt es tolle Plagiate und vieles andere mehr zu kaufen. Aber der Markt schließt gerade. Bei Pho24 – der vietnamesischen Nudelsuppen-Antwort auf die Fast-Food-Ketten der Welt – gibt’s erst mal was für den kleinen Hunger. Über Saigon geht ein Sturzregen nieder, der alle Verkaufsstände knietief unter Wasser setzt.
Abends gehen wir noch mal in die Richtung – es ist nun der allseits beliebte Nachtmarkt aufgebaut. Wir essen Muscheln und Tintenfisch.


Freitag, 12.10.07

Das Frühstück im Hotel ist rein asiatisch. Nudelsuppe am Morgen muss man echt mögen. Wir probieren warmen Reis-Porridge-Schleim. Das kann man noch ganz gut essen. Dann geht es mit dem Taxi zur Kathedrale und von da aus die Dong-Khoi-Street bis zum Majestic-Hotel am Saigon-Fluss. Unterwegs gibt es jede Menge Shopping-Malls mit vielen falschen Sachen und Handicraft zu sehen. Black Pearl nimmt sich Zeit für eine drei-Dollar-Maniküre. Die ist nicht gut. Am Ende der Straße springen wir wieder in ein Taxi zum Diamond-Department-Store. Dort gibt es diverse Produkte im Original zu deutlich höheren Preisen. Ganz oben finden wir einen Pizza-Hut / KfC mit asiatischem Service – und nach zwei Wochen Asia-Essen erlauben wir uns was bekanntes. 
Am Nachmittag nehmen wir ein Taxi zum amerikanischen Markt. Der macht zwar gerade wieder zu, aber es ist noch genug Zeit, um durch die Gänge zu wandeln und die Auslagen – Stahlhelme, Schuhe, Uniformen, Erkennungsmarken – zu bestaunen. Nichts davon ist historisch. Als eine große schwarze Ratte vor uns über den Gang huscht, brechen wir die Besichtigung ab und laufen ins Hotel zurück. 
Abends machen wir uns auf die Suche nach Nachtleben. Wir finden eine Straße mit vielen japanischen Restaurants und Sushi-Bars. Das es in der Straße so eine Ansammlung gibt, mag an den vielen Hotels gegenüber liegen. Die Preise sind sicher niedriger als in Japan, aber teurer als im Rest der Stadt. Nutten finden sich in als Billard-Bars getarnten Etablissements eine Ecke weiter. Heftig winkende Girlies in der Tür und ein Billardtisch im Raum. Von einem Motorroller wird uns noch eine Massage angeboten. Quasi ambulant. Oder war „Massage“ nur ein Code? Der Abend klingt mit einem Bier im australischen „Blue Gecko“ Backbacker Outpost aus. Für junge Australier scheint Vietnam so eine Art Lorret del Mar zu sein.


Sonnabend, 13.10.07

Wir schauen beim Plagiate-Markt vorbei. Der hat jetzt richtig offen und bietet natürlich auch noch viele interessante Auslagen, die man in Asien gern sieht: Obst, Gemüse, Fische, Shrimps, Fleisch, Aale, Tintenfische, Stoffe, Uhren, Kunstkrempel, Klamotten, Handtaschen und Nudeln. Es sind auch reichlich Touristen da, die mehr oder weniger hart verhandeln. Natürlich prangern wir das Ganze an, weil der europäischen Luxuswarenindustrie jedes Jahr Trillionen verloren gehen. Denn jede Touristin würde sich eine Handtasche im Original kaufen, wenn es die hier nicht für weniger als Fake gäbe. Oder?
Am Nachmittag reisen wir mit dem Taxi zur Jade-Kaiser-Pagode. Die schauen wir uns an. Es gibt einen Teich mit Schildkröten und innen jede Menge Statuen. Am Eingang erwerben wir einige Packungen Räucherstäbchen, die wir dem Jade-Kaiser opfern. 
Auf der Dachterrasse des Rex-Hotels nehmen wir einen Drink und genießen den Blick über die Stadt. Im Bo Trung Xeo – Restaurant, dass wir durch Zufall finden, gibt es BBQ.  Das Restaurant ist mehr so eine Art offene Halle mit vielen Tischen und Einheimischen, die sich am Tisch irgendwas Grillen. Die Karte bietet allerlei exotische Auswahl – Seafood, Krokodil, Kangaroo, Spanferkel, Rind und Schlange. Überall wabern die Rauchschwaden der Holzkohlebecken. Zum Essen stellt man auch immer eine Auswahl an Soßen und eine Salz-Pfeffer-Mischung auf den Tisch. In die wird Zitrone geträufelt und das Fleisch gedippt. 
Draußen vor dem Restaurant braten knusprige Ratten auf dem Grill. Die sehen nicht mal unlecker aus –aber man muss es eben mögen.
Da unser Hotel nur einige hundert Meter die Straße runter ist, gehen wir zu Fuß dahin. Es wimmelt von Ratten, die aus dem Abwassergräben hervorkommen.


Sonntag, 14.10.07

07.00 Uhr Frühstück im Hotel. Wir wollen zu den CuChi-Tunneln, aber natürlich hat das Hotel die Buchung zum Ausflug versaut. Die Anzahlung gibt es zurück, aber man sagt lieber gar nichts als zuzugeben, dass was schief gegangen ist. Da braucht es auch wieder eine gehörige Portion asiatische Gelassenheit, um nicht auszuticken. Egal. Wir nehmen ein Taxi zum Touranbieter und springen in den Ausflugsbus rein. Der sammelt noch einige Leute an Hotels ein und kommt eine Stunde später auch an unserem vorbei. Gegen 11.00 Uhr erreichen wir die Tunnel. Man kann allerhand Löcher und Fallen besichtigen, mit denen Charlie „unseren Jungs“ das Leben schwer gemacht hat. Höhepunkt der Tour ist natürlich der Schießstand. Für 13 gibt es 10 Schuss. Zur Auswahl stehen alle bekannten, historischen Schießprügel des Vietnam-Krieges: M16, AK47, Pumpgun, M60 und Pistolen. Blöderweise hat sich im letzten Jahr ein Koreaner selbst gerichtet, so dass nun alle Gewehre auf der Auflage festgeschraubt sind. Machen alles kaputt diese Asiaten! Egal, wir ballern aus allen Rohren – soll heißen je 10 Schuss aus M16 und AK47 und legen noch mal 20 Schuss für Rambos M60 drauf. Es entstehen sehr schöne Urlaubsvideos, und wir ernten sogar ein anerkennendes Grunzen der in grünen Uniformen steckenden Bedienmannschaft für unsere Treffer. Ich glaube, es handelt sich jetzt bereits auch um reguläre nordvietnamesische Soldaten. Sie sind überall auf dem Stützpunkt. Bevor es dann Feuer auf die eigene Stellung geben kann, krabbeln Black Pearl und Drotta noch durch einen extra für Europäer erweiterten Tunnel. Es ist heiß und anstrengend.

Abends gehen wir wieder grillen. Diesmal in einem schickeren Garten-Restaurant. Dort grillt man Raclette-ähnlich auf Metall mit Gasflaschen unterm Tisch. Es gibt Rind und viel Fruchtsaft. 23.


Montag, 15.10.07

Um 09.00 Uhr fahren wir zum Flughafen. Das ist auch von Shinbalo-Tours and Friends organisiert, genauso wie der Ausflug nach Siem Reap – dort geht es jetzt hin. Wir treffen 12.40 Uhr in Kambodscha ein. Der Flug dauert nur etwa eine Stunde. Die Visa haben wir uns schon in Deutschland besorgt, so dauert es bei der Einreise nicht lange. Man macht zur Sicherheit noch ein Foto von uns – alles ist ganz neu und modern - der UNESCO sei dank.

Draußen wartet der lokale Guide – Sam. Traditionelle Verbeugung und rein in den Minibus zum Mittagessen. Das ist asiatisches Buffet wegen der vielen Japaner und Koreaner, die in Siem Reap einmarschiert sind. Wir wohnen im 4 Sterne - Hotel „Khemara“ – das sieht kleiner aus als es ist.

Am Nachmittag geben wir unsere Wäsche in der Reinigung ab und fahren mit Sam zum Angkor Wat Komplex. Am Eingang werden wieder Fotos gemacht, Pässe ausgestellt und Eintritt kassiert. Auch hier alles neu und vom Ausland gesponsert. Dann geht es zum Bayon-Tempel – das ist der mit den vielen Gesichtern. Es sind auch einige orangefarbene Mönche bei der Besichtigung dabei. Das verstärkt den Eindruck. Wir laufen dann noch zum Phnom Bakheng, dem Tempelberg. Das ist ein künstlicher Hügel mit Tempel oben drauf. Am Eingang spielt eine Kappelle von Minenopfern und man kann mit Elefanten den Berg hoch oder runter reiten. Die einfache Fahrt kostet 15 - diese Japaner machen die Preise kaputt. Unten warten dann kleine, sehr niedliche Mädchen und verkaufen Touristenbedarf. Wir erwerben schicke Kühlschrankmagneten mit den Bayon-Gesichtern drauf. Früher war die Anlage nicht so organisiert, und Touristen wurden von Schleppern durch die Tempel geschmuggelt und von allerlei Sales-Personal herumgehetzt. Das ist nun deutlich angenehmer.

Abends fährt uns Sam bzw. der Fahrer zum Essen. In Siem Reaps Hauptstraße gibt es einige Ecken mit Kolonialgebäuden. Dort sind jetzt viele Restaurant usw. entstanden. Wir laufen noch etwas an den Shops vorbei und versuchen es mit einer Massage für 6. Die ist ok, aber mit viel Gequatsche verbunden. Im Getränkeladen versuchen wir uns eine Auswahl an lokalen Bieren zusammenzustellen und stoßen dabei auf die interessante Marke „Mittweida“, die sofort zum Testen mit ins Hotel genommen wird.


Dienstag, 16.10.07

Das erste richtige Frühstück in Asien (Speck, Eier usw.)! Drotta ist begeistert, aber der mochte auch die Nudelsuppe in Sai-Gon. Um 09.00 Uhr – wir haben schließlich nicht den ganzen Tag Zeit – fahren wir zum Rolous-Tempel. Das ist mit etwas Fahrerei verbunden. Wir stoppen noch unterwegs am Preah Ko, Lolei und Bakong-Tempel. Die stammen aus verschiedenen Epochen von Angkor. Die Besichtigung folgt schon einem gewissen wissenschaftlichen Ansatz, der dem Besucher die architektonisch-ökonomische Entwicklung der Anlage und der Khmer näher bringt. Dazwischen rennen nur alberne Japaner herum, die sich auf allen Fotos mit V-Zeichen ablichten. Das die das nicht satt kriegen?
Mittagessen gibt es wieder in einem Hotel. Die offerieren für Busgruppen Lunch. Es gibt eine Abteilung für Europäer und dann für Asia-Touristen mit Büffet und Nudelsuppen-Kochstation. Da können sich die Japaner ihre Speisen reinziehen, die sie von zu Hause so kennen. Interessanterweise sieht man abends in der Stadt aber keine japanischen Touristen mehr. Die müssen wahrscheinlich nach Sonnenuntergang irgendwo unterkriechen, weil es im Ausland immer so gefährlich ist.

Wir machen erst mal Pause im Hotel und fahren am Nachmittag zum eigentlichen Angkor Wat-Tempel-Palast. Wir klettern bis in die zweite Etage, biegen links um die reliefartig dargestellte Schlacht der Devas gegen die Dämonen zu bewundern. Es folgt die Schlacht von Lanka und diverse Einzelbilder der Ramayana. Es ist ziemlich schwül und schwitzig. Wir laufen durch die Anlage – an jeder Ecke eröffnen sich neue Blickwinkel auf den Tempel.

Das Abendessen besteht diesmal aus schwachem Essen mit europäischem Salatbuffet, dem wir noch etwas Shopping und Massagen folgen lassen. Sehr gut. Per Tuktuk geht es ins Hotel zurück.


Mittwoch, 17.10.07

Halb neun, nach dem Frühstück geht es wieder los. Durch idyllische, hellgrüne Reisfelder und Palmenhaine führt der Weg. Wir stoppen bei einem Dorf und werden sofort von knuddeligen Verkaufs-Girlies umringt, die ihre Warenpalette mit den Worten „Just one Dollar !!!“ loszuschlagen versuchen. Die Mutter kocht im Hintergrund Palmenzucker. Den kaufen wir, und Black Pearl schenkt den Mädchen die Armreifen, die sie gestern von der Masseuse bekommen hat. So schließt sich der Kreis. Außerhalb des Angkor Wat – Bezirks, also bei den weniger wichtigen Tempeln – die man wahrscheinlich nur besucht, wenn mehr Zeit ist, treffen wir auch auf mehr Khmer und ihr Leben. Zum Beispiel auf Überland-Taxis, Pick-ups, die mit mehr als zwanzig Leuten beladen sind. Einige halten sich vorn auf der Motorhaube liegend am Außenspiegel fest. Die Straßen im näheren Umkreis sind in einem tollen Zustand – alles gesponsert von Japan oder anderen Nationen. Lustig sind auch Hühner- oder Schweinetransporte auf Mopeds. Zwei Schweine mit Fahrer.
Wir besuchen den Banteay-Srei – Tempel, stoppen bei einem, dessen Namen ich vergessen habe und halten am Ende beim Ta-Promh-Dschungeltempel. Der ist bekannt aus diversen Filmen und von Bäumen überwuchert. Deswegen ist er ja auch so bekannt. Wir spazieren durch die malerischen Ruinen, bewundern die Apsara-Figuren und beobachten Mönche, die ganz verrückt danach sind, sich mit blonden, europäischen Kindern fotografieren zu lassen.
Am Ende halten wir noch ein letztes Mal am Tempel der vielen Gesichter.

Mittagessen gibt es wieder in irgendeinem Restaurant, das weniger durch die Inneneinrichtung als vielmehr durch die Qualität des Essen besticht. Am Nachmittag haben wir mit Sam noch einen Ausflug zum Tonle Sap See vereinbart. Eigentlich ist das Besichtigungsprogramm nun vorbei, aber für zwanzig Dollar extra ist das alles kein Problem.
Der See ist ja auch nicht weit. Momentan ist wohl eher Niedrigwasser, d.h. die Straße als höchster Punkt in der Landschaft führt einige Kilometer dorthin, wo sonst See ist. Übrigens werden noch ca. zwei Meter mehr Wasserstand erwartet. Die Häuser sind alle auf sehr hohen Stelzen errichtet. Später erreichen wir den See und steigen auf ein Boot um. Alles ist aufs Schwimmen eingerichtet: Polizeistation, Kirche, Schule, Schweinestall sind auf großen Plattformen untergebracht. Selbst die Häuser können bewegt und neu vertäut werden. So eine Art mobiles Venedig. Wir fahren auf den See hinaus. Es regnet. Unterwegs erwerben wir von nomadisierenden Wasservietnamesen Bier. Die Vietnamesen sind nach dem Einmarsch der Armee hängen geblieben und bilden nun den Bodensatz der Gesellschaft. Wir halten an einem Souvenirschiff an. Das hat außerdem noch eine Fisch- und Krokodilfarm dabei. Da haben wir was anzuschauen. Wir trinken Bier und bekommen Shrimps zum Knabbern aufs Haus. Wir verstehen zunehmend besser, warum die Gegend Indochina heißt und versuchen, die Krokodile mit Bier und Shrimps zu füttern. 
Zurück in der Stadt stoppen wir im Zentrum, damit Drotta zur Massage kann. Black Pearl geht in der Zwischenzeit zum Friseur. Haare waschen und föhnen dauert nicht lange, weil drei Friseusen gleichzeitig an Black Pearl arbeiten. Eine sechs-Hände-Behandlung für 4!

Am Abend gibt es im Restaurant Apsara-Tänzerinnen anzuschauen. Japanische Touristinnen werfen sich vor die Tänzerinnen, um ein Foto zu ergattern. Dazu V-Zeichen. Ein albernes Volk.


Donnerstag, 18.10.07

Der Abflug zurück nach Saigon ist erst am Nachmittag. Wir nehmen ein Tuktuk ins Zentrum und schauen auf dem Old Market vorbei. Dort gibt es allerlei Kunstgewerbe und Edelsteine zu kaufen. Von allen Seiten werden wir ermuntert: „Buy something, Sir !“ Ok, machen wir. In einem Pub im französischen Viertel trinken wir Fruchtsaft und ruhen etwas aus. Aus dem Augenwinkel sehe ich eine Ratte aus der Bar kommen. Wenig später läuft die Ratte an uns vorbei, gefolgt von einer Katze. Beide gelten hier wohl als Nahrungsmittel und ein Restaurant als ihr natürlicher Lebensraum. Asien eben.
Das Hotel will zwanzig Dollar für den späten Check-Out – ich liebe die Preise hier. Sam bringt uns zum Flughafen und freut sich über sein Trinkgeld. Wir können eine Stunde eher nach Saigon ausfliegen. Dort regnet es, und auf dem Nachtmarkt essen wir Shrimps, Squid und Rind.


Freitag, 19.10.07

Aufbruch zur letzten Reiseetappe: Singapore. Mit dem Taxi geht es für 5 Dollar zum Flughafen. Zwei Stunden später sind wir in Singapore. Eigentlich hätten wir uns den Rückflug nach Saigon sparen können, da von Siem Reap auch Direktflüge nach Singapore gehen. Wir wohnen im Rendezvous-Hotel. Das wird von Singapore-Airlines angeboten und von einem Shuttlebus angefahren. 
Vom Hotel machen wir einen Ausflug nach Chinatown. Taxis sind ziemlich billig, wenn man eines bekommt. Die meisten fahren nur feste Stationen, unseren Bushaltestellen nicht unähnlich, an, es bilden sich Warteschlangen. Wir schauen im Tempel mit Buddhas Zahn vorbei und bummeln danach durch die Gassen. Es gibt das gleiche Sortiment wie im restlichen Asien – nur teurer. Irgendein Händler versucht, uns Jade aufzuschwatzen. Verglichen mit dem Zeug, dass wir gut vergleichen können, liegt Singapore bei etwa der Hälfte von Deutschland und locker dem Doppelten von Vietnam. 
Wir bummeln an der Fressmeile des Boat Quay entlang. Da stehen die Schlepper vor den Restaurants aufgereiht und versuchen mit Discounts und Freigetränken, Kunden in die Restaurants zu locken. Am vorletzten Laden werden wir schwach und essen 20%-Discount-Ente mit gratis Bier. Das kostet trotzdem 90 Singaporedollar und ist nicht besonders.
Aber immerhin kann man schön am Fluss sitzen und die Skyline bewundern.


Sonnabend, 20.10.07

Wir gehen frühstücken und schauen danach in der Orchard Road vorbei. Dort gibt es Shopping Malls usw.. Singapore ist bei weitem nicht mehr so sauber und organisiert wie gern erzählt wird. Ok, sauberer als das restliche Asien vielleicht, aber ein paar Kaugummikauer scheinen dem Bambusprügel entgangen zu sein. Am Taxistand geht alles sehr organisiert zu. Man muss artig anstehen. 
Den Nachmittag beginnen wir mit einigen Drinks auf der Riverside Plaza. Die liegt auch am Fluss. Von dort geht es wieder mit dem Taxi – es hätte auch den Shuttlebus gegeben – zum Zoo. Dort kann man als Night-Safari die Tiere nachts besichtigen. Weil bald Halloween ist, haben sich die Angestellten entsprechend kostümiert und erinnern so bestechend an diverse japanische Horrorfilme. Die Rundfahrt durch den Zoo ist sehr schön. Hätte nicht gedacht, dass es soviel verschiedene Tiere in Asien gibt bzw. gegeben hat: Elefanten, Büffel, Tiger und jede Menge Antilopen. Im fahlen Dämmerlicht stehen sie im Wald – wegen der Dunkelheit sieht man auch kaum die Gehege.
Groß ist das Umweltbewusstsein hier sicher nicht. Um uns rum überlegen doch sowieso alle Besucher nur, wie die Biester süßsauer schmecken. Am Ende der Rundfahrt wartet ein Open-Air-Restaurant mit preiswertem chinesischen und indischen Essen und ein Souvenir-Shop.
Den Abend lassen wir mit noch mehr Drinks am Clark Quay ausklingen. Ins Hotel können wir erst später – dort findet im Innenhof ein Abklatsch des Oktoberfests statt. Wahrlich eine Zumutung, aber wir sind ja eine Exportnation.


Sonntag, 21.10.07

Wir packen und verlassen das Hotel in Richtung Flughafen. Das Taxi berechnet uns für diese Strecke starke sechs Euro, was noch mal das Preisniveau unterstreicht und zeigt, dass der Singapore-Airlines-Shuttlebus nicht gerade eine gemeinnützige Angelegenheit ist.

Und damit enden unsere unglaublichen Abenteuer in Französisch- und Britsch-Indochina.

</description><author>Drotta</author><pubDate>Sun, 30 Sep 2007 10:52:37 +0200</pubDate><category>Saigon, Nha Trang, Hanoi, Ha Long, Vietnam</category></item></channel></rss>
